Der Bund hält: Gott und Mensch

Online-Andacht für den 6. Sonntag nach Ostern - Exaudi
Aktualisierte und gekürzte Lesepredigt von Pfarrer Dr. Florian Herrmann
Gottesdienst-Institut der Evang.-Luth. Kirche in Bayern

Der heutige Sonntag hat den Namen Exaudi. Exaudi bedeutet: Höre, Herr! Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten rufen wir zu Gott und erwarten, dass er unsere Bitten erhört. Wir rufen zu ihm, dass er in unser Leben kommt und uns mit seinem Geist begleitet.

Wochenspruch
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32

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Andacht
Es war in den Tagen der Vorzeit, als die Wasser der Sintflut sich verlaufen hatten. Noah und seine Familie hatten die Flut überstanden in einem Schiff, in der Arche, und mit ihnen Tiere von jeder Art. Als das Schiff auf Grund gelaufen war und man wieder trockenen Fußes das Land betreten konnte, da baute Noah für Gott einen Altar und betete ihn an.
Und Gott sagte zu Noah …: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier bei euch … Ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass […] hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.
Das war der erste Bund, den Gott mit den Menschen machte. Eine Abmachung des Lebens. Und Gott sprach: … Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
Viele Jahrhunderte später: Es war in den Tagen, als Mose mit den Israeliten aus Ägypten geflohen und vor den Soldaten des Pharao durchs Rote Meer entkommen war. Sie zogen durch die Wüste. Am Berg Sinai schlugen sie ihre Zelte auf, und Gott ließ Mose auf den Berg steigen. Er gab ihm dort oben die Zehn Gebote:
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht stehlen.

Und Gott fügte hinzu: Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern.
Das war der Bund, den Gott mit den Israeliten machte: Zusage und Gesetz. Niemand soll so fest zu mir gehören wir ihr. Haltet meine Gebote.
Und noch einmal viele Jahrhunderte später: Es war in den Tagen, als der König von Babylon Jerusalem eroberte. Das waren die Tage des Propheten Jeremia. Der hatte das Unglück kommen sehen: die Babylonier würden die Stadt in Schutt und Asche legen. Zur Strafe: weil ihr Gott und seine Gebote vergessen habt!
Aber Jeremia hatte noch eine Botschaft:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.

In einer Woche sind Ferien. Der geplante Urlaub ins Ausland ist gestrichen; Campingplätze sind geschlossen; Flugzeuge sind am Boden und Schiffe im Hafen; Schülerinnen und Schüler haben Ferien, aber wie kann man sich darauf freuen, wenn man sowieso nicht in die Schule geht und keine Freunde treffen kann? Wie wird das Jahreszeugnis ausfallen, wenn man nicht mehr nachfragen kann nach "binomischen Formeln" oder der Prozentrechnung?
Wie soll es weitergehen? Das fragt sich eine ganze Nation. Wie soll es weitergehen - mit der Wirtschaft, mit dem eigenen Betrieb oder Arbeitsplatz. Homeoffice und Homeschooling sind keine Dauerlösung; Isolation für die Alten und Kranken doch auch nicht. Und wie lange soll man noch Masken tragen im Gottesdienst?
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit euch einen neuen Bund schließen.
Ein neuer Bund nach der Krise. Nach der Sintflut. Nach der Knechtschaft in Ägypten. Nach dem Untergang Jerusalems. Nach "Corona".

Was ist ein Bund? Zusammengebunden wie ein Bund Pfingstrosen oder Petersilie, wie ein Bund Suppengemüse vielleicht? Wie ein Bündel Reisig oder alte Zeitungen? Mit einem Gummiband oder Bindfaden zusammengeschnürt, was zusammengehört nach Art oder Aussehen, nach Zweck oder Aroma. Das ist ein Bund: zusammengebunden, was zusammengehört. Mit einer Schnur zusammengehalten, dass nichts verloren geht.
So ist auch ein Bund zwischen Menschen: Wir gehören zusammen. Uns hält etwas zusammen. Eine gemeinsame Überzeugung oder Absicht oder ein gemeinsames Bedürfnis. Oder auch einfach Liebe: Wo zwei den Bund der Ehe miteinander eingehen - wir gehören zusammen.
Der Strauß von Ländern, die die Bundesrepublik bilden, hat ein Grundgesetz als Faden des Zusammenhalts. Wer miteinander in einem Bund steckt oder einem Bündnis, der ist nicht nur verbunden - der ist auch gebunden. Solidarität. Gemeinsame Regeln. Verbindlichkeit.
Da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.
So ist das auch, wenn Gott mit den Menschen einen Bund schließt: Der Bund bindet uns zusammen. Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Wir gehören zusammen, Gott und Menschen, verbindlich.

Noch einmal sechs Jahrhunderte nach dem Propheten Jeremia saß Jesus Christus mit seinen Jüngern zu Tisch, ein letztes Abendessen, bevor man ihn verhaftete. Er teilte Brot und Wein mit ihnen:
Nehmet hin und trinket alles daraus: dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
An jenem Abend wussten und glaubten seine Jünger: Der neue Bund ist da. Gottes neuer Bund, von dem die Propheten geredet hatten. Wo Jesus ist, ist der neue Bund.
Und darum glauben wir Christen: Wir leben im neuen Bund Gottes. Was der Prophet versprochen hat, ist erfüllt. Und Gott gibt uns immer wieder Momente, in denen er uns das erfahren lässt: Wir gehören zusammen, du und ich, Gott und Mensch. Verbindlich.
Was ein Mensch wert ist, das kann man nicht an seinem Alter festmachen oder an seinem Gesundheitszustand. Kein Leben ist weniger wert, weil es statistisch gesehen weniger Jahre vor sich hat; kein Leben ist weniger wert, weil es nichts oder nicht viel zum Bruttosozialprodukt beitragen kann; kein Mensch ist weniger wert, weil er keinen Job hat oder einen Beruf ohne "Systemrelevanz". Man kann den Wert eines Menschen nicht daran ablesen, ob einer noch laufen kann ohne Gehwagen.
Bei Christus ist jeder kostbar, unabhängig von dem allen. Und immer wieder schickt Gott einen Menschen, der einen genau das spüren lässt. Du bist mir wichtig, egal ob du in der Schule Funktionen berechnen oder Caesar übersetzen kannst; egal wie du ausschaust mit deiner "Coronafrisur" und ob du jetzt gerade viel oder wenig leisten kannst. Du bist mir kostbar, einfach weil du Du bist. Solche Menschen sind dann wirklich: Boten Gottes.

Mit der Taufe hat unser Bund mit Gott begonnen. Mit der Konfirmation haben wir ihn bestätigt: Ja, wir wollen in diesem Bund wachsen, weiter mit Christus und untereinander als Christinnen und Christen verbunden bleiben. Als Zeichen für diesen Bund lädt uns Christus ein:
Nehmet hin und trinket alle daraus: das ist mein Blut des Neuen Testamentes, dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Das Abendmahl ist die Feier des neuen Bundes. Da sitzen wir mit Jesus selber am Tisch. Da ist die Tür zum Himmel einen Spalt offen, und wir feiern zusammen mit den Engeln im Himmel und mit allen, die vor uns waren und nach uns kommen.
Es ist schwer, in diesen Zeiten darauf zu verzichten. Bei vielen wächst die Sehnsucht danach, nicht nur zu hören, sondern auch zu schmecken, "wie freundlich der Herr ist". Aber wir können das weitergeben, was wir empfangen haben bei der Taufe, in den Gottesdiensten ohne Abendmahl: dass wir "ein Volk" sind, dass wir als Christen mit hineingenommen sind in den Bund Israels, dem Gott verspricht: Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Wir sind verbunden miteinander wie der Strauß Blumen, verbunden untereinander wie ein Brautpaar, verbunden in Solidarität als "Bundesbürger". Wir sind verbunden in der Hoffnung auf Zeiten, in denen kein Virus uns mehr auf Abstand hält, in denen keine Verschwörungstheorien uns auseinanderbringen. Wir sind verbunden im Bund der Taufe - voller Energie oder urlaubsreif, ob mit Liebeskummer oder Mathe-Krise, egal ob angekommen im Leben oder wieder neu auf der Suche.
Das Volk Gottes hat schon viele Krisen erlebt. Und immer wieder erfahren: Gott hält seinen Bund. Gott nährt und heilt und stärkt und vergibt. Der Bund hält: Gott und Mensch. Zusammengebunden, was zusammengehört.
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit euch einen neuen Bund schließen. Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
Amen. 

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Bitte um Segen
Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

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Zusammenhalten in einer stürmischen Welt.

Zeit zum (Nach-)Denken

Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.
Hermann Hesse

Gemeindebüro bleibt weiter geöffnet

Das Gemeindebüro der Evangelischen St. Andreas-Kirchengemeinde Ostönnen bleibt ungeachtet der Absagen aller kirchlichen Veranstaltungen weiterhin geöffnet. Unsere Gemeindesekretärin Nadine Teiner ist dort zu den üblichen Bürozeiten montags und mittwochs jeweils von 17.00 bis 18.30 Uhr, sowie an jedem ersten Samstag im Monat von 9.00 bis 12.00 Uhr erreichbar.
Wir bitten jedoch dringend darum, von einem persönlichen Besuch im Gemeindebüro abzusehen. Falls irgend möglich, sollten alle Angelegenheiten telefonisch unter der Rufnummer (0 29 28) 2 39, per Telefax unter
(0 29 28) 2 97 oder per Email an die Adresse gemeindebuero.ostoennendontospamme@gowaway.evkirche-so-ar.de  geregelt werden.

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Es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen weiter entwickeln. Für viele Menschen ist der Virus eine doppelte Belastung - für die körperliche Gesundheit, aber auch für die seelische. Häusliche Quarantäne, Verunsicherung und Zukunftsängste, wirtschaftliche Sorgen oder der Verlust eines geliebten Menschen, dazu weiterhin die ganz alltäglichen Sorgen und Nöte - das alles kann schwer auf der Seele lasten. Verstärkend hinzu kommt die angeordnete Minimierung sozialer Kontakte.
Wer niemanden hat, mit dem er über seine Sorgen und Nöte reden kann, darf sich gerne an den Ostönner Pfarrer Volker Kluft unter der Rufnummer (0 29 28) 2 39 wenden.
Gespräche bietet aber auch die Telefonseelsorge unter den Rufnummern 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 sowie unter Telefon 116 123 an. Die Telefonseelsorge ist für jeden da, für alte und junge Menschen, Berufstätige, Hausfrauen, Auszubildende und Rentner. Die Gespräche sind kostenfrei und rund um die Uhr möglich. Denn Sorgen wiegen schwer und richten sich nicht nach Tages- oder Öffnungszeiten.